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„Groß ist die Kraft der Erinnerung, die Orten innewohnt.“ (nach Cicero)

Flucht nach Ägypten

Die aus Zirbenholz geschnitzte und gefasste Kleinskulptur der hl. Familie auf der Flucht nach Ägypten stammt aus dem 17. Jh., zählt zu den ältesten Werken im Museum Gherdëina und ist ein frühes Zeugnis Grödner Schnitzkunst. Geschnitzte Darstellungen der Weihnachtsgeschichte entwickelten sich im Mittelalter, in Gröden spezialisierten sich viele Familien ab dem 18. Jh. auf das Schnitzen von Krippenfiguren.

Porphyrtrog 1868 von Mauriz

Dieser aus einem Steinblock gehauene Porphyrtrog mit eingravierter Jahreszahl 1868 stand einst beim Hotel Adler und diente als Pferdetränke. Mit vier Metern Länge ist er der größte von einst rund 50 Porphyrtrögen in Gröden; seit 1960 steht er im Museumsgarten. Zugeschrieben wird er dem aus Falcade stammenden Steinmetz Scola Petru, der im Steinbruch in Pontives eine Steinmetztägikeit gründete.

Eisensäge

Die Eisensäge mit gedrechseltem Holzgriff ist ein Zeugnis der Not so mancher Grödner Schnitzer vor dem Ersten Weltkrieg. Sie diente dem illegalen Fällen von Bäumen, um Holz für die eigene Produktion zu beschaffen. Für den Ankauf reichte der Verdienst der Schnitzer nicht aus. In den 1870ern/1880ern wurden so rund 2000 Bäume jährlich aus den Gemeindewäldern entwendet.

Truhe von Costamula

Braut- und Hochzeitstruhen zur Aufbewahrung der Aussteuer waren bis ins 20. Jh. auch in Gröden üblich. Diese besondere Hochzeitstruhe ist außen aus Zirbenholz und innen aus Fichtenholz gefertigt, an der Schauseite sind zwei große Rosettenornamente mit Sonnenmotiv eingeschnitzt. Die Zahl 1566 verweist auf das Fertigungs- bzw. Hochzeitsjahr, die Buchstaben I und T auf die Initialen der Eigentümerin.

Absolute Schrift

Mit Formen und Farben experimentieren, um Spannung und Ordnung in einem Kunstwerk zu vereinen: Den Weg, den Mili Schmalzl im Acrylbild „Absolute Schrift“ geht, zeigt sie an der Kunstschule von St. Ulrich auch jungen Künstlern auf. Schmalzl, Jahrgang 1912, schaffte als Frau aus dem Tal der Schnitzer den Sprung an die Akademien Italiens und Deutschlands und wurde dort zur Malerin ausgebildet.

Ansicht von St. Ulrich im Jahr 1860

1925 blickt der Kunstmaler Josef Moroder Lusenberg mit diesem Ölgemälde von seinem Haus auf das St. Ulrich der 1860er-Jahre und damit auf das Dorf seiner Kindheit. Der retrospektive Rückblick hat wohl mit der tiefgreifenden Entwicklung zu tun, die das Tal im Zuge des Aufschwungs von Kunstgewerbe und Fremdenverkehr bis zum Ersten Weltkrieg mit einem Bedeutungsverlust der Landwirtschaft erlebt hat.

Dieses Kulturgut ist Teil der Tour "Der Aufschwung zur Jahrhundertwende in St. Ulrich: Villen und Werkstätten".

Der Leiermann

Das Ölgemälde, das Josef Moroder Lusenberg 1912 schuf, zeigt einen Leiermann, der vor einem Grödner Bauernhof eine barfüßige Kinderschar unterhält. Die Kinder scheinen vom Äffchen fasziniert, das auf dem Leierkasten sitzt, während zwei Mädchen mit ihrer Mutter die Szene stickend von der Seite aus verfolgen – wohl eine aufmerksame Beobachtung der gesellschaftlichen Diversifizierung im St. Ulrich der Jahrhundertwende.

Dieses Kulturgut ist Teil der Tour "Der Aufschwung zur Jahrhundertwende in St. Ulrich: Villen und Werkstätten".

Aquarell mit Pfingstrosen

Dieses Aquarell mit Pfingstrosen hat Jakob Sotriffer während seiner Studienzeit an der Wiener Akademie 1822-24 geschaffen, an der er dank eines staatlichen Stipendiums zum Zeichenlehrer und Bildhauer ausgebildet wurde. Sotriffer stammt vom Hof Plajes in St. Ulrich und wurde im Jänner 1825 als erster Lehrer der neuen Zeichenschule eingesetzt.

Fastentuch von St. Jakob

Das einzige in Südtirol erhaltene vielszenige Fastentuch verdeckte während der Fastenzeit den Altarraum. In 24 Bildfeldern wurde die Heilsgeschichte erzählt: vom Leiden Jesu bis zu Himmelfahrt und Pfingsten. Die Felder sind in vier Reihen angeordnet, die Szenen figurenreich. Das mit Tempera auf grundiertem Leinen bemalte Tuch war bis um 1950 in der St.-Jakobs-Kirche in Gebrauch, der Maler ist unbekannt.

Dieses Kulturgut ist Teil der Tour "St. Jakob und seine über 500 Jahre alten Höfe".

Heiliger Georg mit Drachen

Den kleinen Bellerophon-Quader mit der Darstellung des heiligen Georg als Drachentöter hat Luis Piazza da Cudan (Jg. 1908) geschaffen. Das Werk spiegelt Piazzas Liebe zur Stilisierung wider, die ihn auch zu einem der Erneuerer des Grödner Kunstschaffens werden ließ. Eine Bronzekopie des Originalreliefs ziert den Brunnenaufsatz des Porphyrtrogs im Garten vor dem Museum.