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„Groß ist die Kraft der Erinnerung, die Orten innewohnt.“ (nach Cicero)

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1.800 - 1.899 n. Chr.
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Bettlerin und Bettler

Eine Frau mit Rückenkorb, ein Mann mit einem Sack über der Schulter: geschnitzte Figuren von Landstreichern und Bettlern waren ab dem letzten Drittel des 18. Jh. ein Spezifikum des Grödner Kunsthandwerks. Sie treten immer paarweise auf und sind schonungslos realistisch dargestellt: ausgezehrt, oft verkrüppelt, mit zerrissenen Kleidern, Wanderstab und Hut. Ein Merkmal der Grödner Figuren ist zudem das zerrissene oder fehlende Schuhwerk.

Arma Christi Kreuz

Geißeln, Dornenkrone, Hammer, Nägel, Zange, Lanzen, Essigschwamm und Leiter, Würfel und Kleid Jesu: Nichts am Leiden Christi wurde in dieser barocken Grödner Kreuzigungsgruppe ausgespart. Der Grund ist einfach: In den Arma Christi vermutete man mächtige Waffen im Kampf gegen das Böse. Aus welchem Haus das Kreuz zur Andacht diente, ist nicht bekannt.

Liebespaar mit Ziege

Die geschnitzte und gefasste Kleinskulptur zeigt ein verliebtes Paar unter einem Baum, eine Ziege knabbert am Blumenstrauß der Frau. Die Skulptur – wohl aus den 1840er-Jahren – spiegelt zum einen die Mode des ausgehenden Biedermeier wider, zum anderen zeigt sie, dass die Grödner Schnitzer Motive aus allen Absatzgebieten und auch aus der Keramikproduktion aufnehmen.

Krampusfigur “Pitl malan”

Die aus Birnenholz fein geschnitzte Gestalt eines verschmitzt lächelnden Krampus’ trägt einen Korb, in dem Zigaretten aufbewahrt wurden. Sie stammt vom Bildhauer Franz Insam de Cësanueva aus St. Christina, der eine Reihe in den 1870ern in der ganzen k.u.k. Monarchie beliebten Objekten geschaffen hat – nicht nur solche für den Tabakkonsum, sondern auch Nussbeißer.

Spielzeug mit Bleigewicht

Pferd und Reiter sind lose auf ein Podest aufgesetzt, ein Bleigewicht hält sie im Gleichgewicht. Sobald die Figur angestoßen wird, schwingt sie, wird aber auf der Säule gehalten. Nach demselben Prinzip funktioniert auch die Akrobatin, die sich – einmal angestoßen – im Kreis dreht. Wer diese Spielzeuge geschaffen hat, kann nicht eruiert werden, so blieben die Schnitzerinnen und Schnitzer anonym.

Dieses Kulturgut ist Teil der Tour "Sankt Ulrich: Ein Streifzug durch das Dorfzentrum und seine Geschichte".

Wiegenpferd mit Reiter

Tändelnde Streitrösser gehörten lange zu den Lieblingsspielzeugen von Kindern im k. k. Reich, wobei die Ware anfangs zum Bemalen („Fassen“) nach Oberammergau geliefert wurde. Erst um 1800 kamen die Grödner selbst hinter das Geheimnis der Rezepturen für die Farb- und Lackzusammensetzung. Auch danach wurden nur bestimmte Musterartikel wie Puppenköpfe und Schaukelpferde bemalt – vor allem von Frauen.

Postwagen mit Kutscher und Pferdegespann

Die meisten Grödner Spielzeuge wurden als Dutzendware verkauft, daneben gab es aber aufwendiger gestaltete Einzelstücke, etwa diese Postkutsche mit Einstiegstür, Doppeldeichsel, gelber Lackierung und der Aufschrift „K. K. Post“. Nach Gröden fuhren Postkutschen ab 1856 auf der Talstraße, über Waidbruck erhielt Gröden 1867 Anschluss an die Brennerbahn, die das Wirtschaften im Tal enorm erleichterte.

Pendelspielzeug einer Kuh mit Kälbchen

Pendelspielzeug wurde von Ende des 19. bis Anfang des 20. Jh. hergestellt. Bei diesem Spielzeug senkt die Kuh beim Anstoßen des Pendels den Kopf zum Trog, das Kälbchen hebt seinen zum Trinken. Die Holzkugel wurde auf der Drechselbank hergestellt, indem Kugeln wie an einer Perlenkette ausgearbeitet und danach voneinander getrennt wurden. 1877 gab es in Gröden 300 fuß- und 60 wassergetriebene Drechselbänke.

Grödner Holzpferd auf Räderbrett

Nach den Gliederpuppen waren geschnitzte Tiere die wichtigsten Artikel im Grödner Sortiment. Den Hauptteil stellten dabei Pferde: Wiegen- und Schaukelpferde, Zugpferde für allerlei Karren und Pferde auf einem Räderbrett. Die Pferde wurden bemalt und in allen Größen geliefert: von kleinen Spielzeugfigürchen bis zu solchen, die zum Aufsitzen gedacht waren.

Dieses Kulturgut ist Teil der Tour "Sankt Ulrich: Ein Streifzug durch das Dorfzentrum und seine Geschichte".

Porphyrtrog 1868 von Mauriz

Dieser aus einem Steinblock gehauene Porphyrtrog mit eingravierter Jahreszahl 1868 stand einst beim Hotel Adler und diente als Pferdetränke. Mit vier Metern Länge ist er der größte von einst rund 50 Porphyrtrögen in Gröden; seit 1960 steht er im Museumsgarten. Zugeschrieben wird er dem aus Falcade stammenden Steinmetz Scola Petru, der im Steinbruch in Pontives eine Steinmetztägikeit gründete.