Direkt zum Inhalt

„Groß ist die Kraft der Erinnerung, die Orten innewohnt.“ (nach Cicero)

Zusatzinformation
1.800 - 1.899 n. Chr.
Sortierung
130

Ferdinand Stuflesser, Ars Sacra

1875 gründete Ferdinand Stuflesser eine Bildhauerwerkstatt am Petlin-Hof – samt einem 15 Meter hohen Arbeitsraum, um an Altären arbeiten zu können. 1910 übernahm Ferdinands Sohn Johann den Betrieb und erweiterte den Markt nach Übersee.

Als eine der wenigen Altarbauwerkstätten der Gründerzeit konnte sich jene von Stuflesser nach den Weltkriegen anpassen, auch Restaurierungen kirchlicher Kunstobjekte kamen dazu. Heute wird die Firma in fünfter Generation als „Ars Sacra 1875 Ferdinand Stuflesser“ in Pontives weitergeführt.

Ustaria da Mauriz (heute Hotel Adler)

1288 wird im ältesten Teil von St. Ulrich ein Ortiseit-Hof erwähnt. Er wechselt im Laufe der Zeit Besitzer und Namen (Moritzen, Daverda, Adler) und etabliert sich als Wirtshaus, das Joseph Anton Sanoner 1810 erwirbt.

Familie Sanoner besitzt das Haus noch heute. Es wurde mehrfach umgebaut (u.a. von Clemens Holzmeister und Luis Trenker), ist Geburtsstätte des Grödner Alpenvereins (1885) und auch die erste Glühbirne im Tal brannte Anfang 1900 hier. Heute ist das Hotel Adler ein Spa Resort.

Hotel Dolomiti Madonna

Um 1898 kaufte der Fassmaler Christian Delago ein Haus unterhalb der Kunstschule, richtete dort mit seiner Frau Josefina Schmalzl ein Kaffeehaus ein und baute es bis 1906 zum „Dolomitenhotel Madonna“ aus. Auch seine Werkstatt übersiedelte Delago hierher. Damit gab es neben 25 Zimmern, Garten und Veranda auch ein Malatelier für die Gäste.

1908 wurde im Hotel als erster im Tal der Dolomitenalpenskiclub Ladinia gegründet, 1927 der Hockey-Club Gröden. Sein heutiges Aussehen verdankt das Hotel Um- und Ausbauten in den 1950ern und 1990ern.

Marienheim (heute Hotel Maria)

Zwar baute der Kunstverleger Franz Schmalzl de Ianesc 1872/73 am Antoniboden ein Wohnhaus mit Werkstatt, schon um die Jahrhundertwende war das Marienheim aber das drittgrößte Hotel in St. Ulrich – samt Schwimmbad und einem Speisesaal, der sich über eine ganze Etage zog.

Im Zuge der Option gelangte das Hotel in Staatsbesitz, 1963 wurde aus dem westlichen Teil ein Geschäfts- und Wohngebäude, während Rosa Schmalzl den östlichen Teil zum Hotel Maria umbaute. Ihre Familie führt das Hotel nach wie vor.

Kugelspiel „Kakelorum”

Zu den traditionell im Nachbartal Fassa geschnitzten Artikeln für die Grödner Verleger gehörten auch mit viel Aufwand hergestellte Kugelspiele. Das Kakelorum funktioniert wie ein Roulette, die Kugel (Murmel) wird in den Turban oder die Krone der Figur eingeworfen, deren Körper spiralförmig ausgehöhlt ist. Durch die Spiralen fällt die Kugel in die mit Nummern versehenen Vertiefungen des Tellers an der Basis.

Turner am Reck und Steckengaukler

Steckengaukler mit Menschen- oder Tierfiguren wurden zuerst in Oberammergau hergestellt und tauchen im 19. Jh. auch im Grödner Sortiment auf. Traditionelle Steckengaukler (lad. Cramaic) wurden bis zum Ersten Weltkrieg, in modernen Formen sogar bis 1925 hergestellt. Besonders beliebt waren die Grödner Bärengaukler.

Dieses Kulturgut ist Teil der Tour "Sankt Ulrich: Ein Streifzug durch das Dorfzentrum und seine Geschichte".

Scherenschleifer und Eimerträgerin

Nur ein kleiner Teil des Grödner Holzspielzeugs war bemalt, den Großteil stellte die naturbelassene „weiße Ware“. Sie faszinierte durch einfache Mechanismen, durch die die Figuren bewegt wurden. So schwingt der Körper der Eimerträgerin, während der Scherenschleifer am laufenden Räderwerk die Füße bewegt. Auch trommelnde Affen, pickende Hühner, wippende Pferde, bewegte Harlekin und vieles mehr wurde gefertigt.

Mustertafel mit Gliederpuppen

Gliederpuppen waren von den 1840ern bis zum Ersten Weltkrieg der Hauptartikel der Grödner Spielzeugschnitzer. Die in allen Größen angebotenen Puppen waren eine familiäre Gemeinschaftsarbeit: Arme, Beine, Gesicht und Körper wurden getrennt hergestellt, durch Holzstifte oder Kugelgelenke zusammengesetzt und die Gesichter bemalt. Die Gliederpuppen wurden vor allem nach Frankreich und England verkauft.

Dieses Kulturgut ist Teil der Tour "Der Aufschwung zur Jahrhundertwende in St. Ulrich: Villen und Werkstätten".

Bär

Am realistisch wiedergegebenen Fell des aus Zirbenholz geschnitzten Bären zeigt sich das Können des Schnitzers. Zur sicheren Führung des Eisens wurde der Daumen am Holz angestellt, mit der Hand wurden danach drehartige Bewegungen ausgeführt, die eine zeitsparende Modellierung der Oberfläche zuließen. Überhaupt galt die Grödner Schnitztechnik als ausgesprochen schnell.

Kühe

Tiermotive wie diese liegende Kuh aus naturbelassenem Zirbenholz wurden im gesamten 19. Jh. und bis zum Ersten Weltkrieg vor allem in Villnöß geschnitzt und an die Grödner Verleger verkauft. Dargestellt wurde eine vielfältige Tierwelt: exotische Tiere für die Arche Noah, aber auch – vor allem im Zug der alpinen Romantik – Vertreter der heimischen Tierwelt.