Direkt zum Inhalt

„Groß ist die Kraft der Erinnerung, die Orten innewohnt.“ (nach Cicero)

Pendelspielzeug einer Kuh mit Kälbchen

Pendelspielzeug wurde von Ende des 19. bis Anfang des 20. Jh. hergestellt. Bei diesem Spielzeug senkt die Kuh beim Anstoßen des Pendels den Kopf zum Trog, das Kälbchen hebt seinen zum Trinken. Die Holzkugel wurde auf der Drechselbank hergestellt, indem Kugeln wie an einer Perlenkette ausgearbeitet und danach voneinander getrennt wurden. 1877 gab es in Gröden 300 fuß- und 60 wassergetriebene Drechselbänke.

Kraxe eines Wanderhändlers

Die hölzerne Rückentrage wurde mit Schnitzwerken vollbeladen, um diese zum Verleger oder auf Jahrmärkte zu tragen. Die Regale am hinteren Teil der Kraxe sind dank der Bänder beweglich, auf die obere Holzplatte wurden zur Demonstration Pferde und Ziegenböcke gestellt. In Gebrauch waren solche Kraxen bis in die erste Hälfte des 19. Jh.

Sellagruppe im Abendglühen

Die Temperamalerei vom Sellastock (lad. Sas dla Luesa, Mëisules) im Abendrot stammt von Peter Demetz da Fëur (1913-1977). Er unterrichtete nach dem Zweiten Weltkrieg Malerei an den Kunstschulen in Wolkenstein und St. Ulrich. Dem leidenschaftlichen Wanderer diente oft die vom Menschen noch unberührte Landschaft der Dolomiten als Motiv.

Lieber Augustin

Die Holzskulptur eines Vagabunden schuf Josef Senoner de Roch aus Wolkenstein (Jg. 1886) vor seiner Abreise nach Wien, wo er ab 1910 die Akademie der Bildenden Künste besuchte. Senoner hatte schon mit seinem Vater Holzspielzeug gefertigt, später lernte er u.a. in der Lehrwerkstätte zu Domur Schnitzen. Als einer der fähigsten Grödner Bildhauer seiner Zeit fiel Senoner im Ersten Weltkrieg.

Crist de Val

Die lebensgroße Christusfigur – wohl aus dem frühen 17. Jh. und vielleicht Teil eines Wegkreuzes – wurde nach einem Unwetter stark beschädigt auf der Silvesterscharte auf Stevia gefunden und jahrelang in einem Stadel gelagert, bevor der Bildhauer Albino Pitscheider sie entdeckte und fehlende Teile ergänzte. Ungewöhnlich sind das Lärchenholz und die überlangen Körperproportionen, der sanftmütige Gesichtsausdruck des toten Christus berührt.

Haus Pigon

Ursprünglich ein Paarhof, wurde Haus Pigon umgebaut und erhielt eine neue Fassade mit roter Eckquaderung und roten Fensterrahmungen. Haus Pigon war der Sitz eines der ältesten exportorientierten Schnitzbetriebe im Tal, der von Vinzenz Riffeser gegründeten Firma Riffeser (Pigon). Das Gründungsjahr ist unbekannt, liegt aber vor dem Ersten Weltkrieg. Ende des 20. Jahrhunderts verkaufte Pigon vorwiegend importierte Schnitzwaren, 2012 wurde der Betrieb eingestellt.

Villa Domur

Schon um 1888 bestand im alten Bauernhaus zu Domur ein Werkstattbetrieb der Schnitzerin Christina Rifesser. Das von seiner Mutter geerbte Bauernhaus in Tieja baute Matthias Comploy 1903 zur Jahrhundertwendevilla um und richtete hier eine private Lehrwerkstätte für Bildhauerei und Tischlerei für Altarbau ein. Ab 1910 wohnte hier der Fachlehrer Albino Pitscheider mit seiner Familie, den Werkstattbetrieb musste Comploy nach dem Ersten Weltkrieg allerdings versteigern.

Haus Vastlé

Die Firma SEVI von Vinzenz Senoner war, neben der Firma ANRI des Anton Riffeser, mit bis zu 140 Mit- und 200 Heimarbeitern einer der wichtigsten Arbeitgeber in Gröden und europaweit führend in der Herstellung von Holzspielzeug im 20. Jahrhundert. Das Haus Vastlé hatte schon Vinzenz’ Vater Josef Anton um 1831 ausgebaut und hier mit dem Verlegergeschäft von kleinen Holzfiguren und Spielzeug begonnen. Nach dem Bau einer Fabrikhalle in Pontives 1965 übersiedelte der Firmensitz von SEVI 1977 dorthin. Das historische Gebäude heute durch einen Neubau ersetzt.

Maciaconi

Alois (Levisc) Riffeser gründete um 1870 einen der ersten Verlegerbetriebe für Holzspielzeug und Souvenirs auf Plan da Tieja. 1877 errichtete er das mehrstöckige Gebäude Maciaconi als Wohnhaus und Firmensitz mit eigenem Laden. Dieser wird sogar in einem Gedicht von Leo Runggaldier über das klappernde Holzspielzeug erwähnt. Das Gebäude selbst war mit dem Platz zu Dosses ein beliebtes Motiv historischer Stiche und Ansichtskarten.