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„Groß ist die Kraft der Erinnerung, die Orten innewohnt.“ (nach Cicero)

Pension Villa Hohenwart

1906 errichtete Kaufmann Giuani Mahlknecht auf einem Acker des elterlichen Sneton-Hofs eine vierstöckige Jugendstilvilla, die heute als authentisches Zeugnis der Jahrhundertwende-Architektur in Gröden gilt. Schon bald sollte die Pension Villa Hohenwart erweitert werden, der Erste Weltkrieg durchkreuzte diese Pläne aber. In der Pension wurden Soldaten untergebracht. Weil nach dem Krieg eine Entschädigung ausblieb, musste Mahlknecht das Gebäude verkaufen, heute sind darin Wohnungen untergebracht.

Wirtshaus zu Ianesc (später Gasthaus zur Traube)

Das alte Wirtshaus zu Ianesc (Vedl Ianesc, heute Geschäft Margherita) geht auf das 16. Jahrhundert zurück. 1679 gerieten hier die barocken Bildhauermeister mit den snizlern aneinander, jenen Holzschnitzern also, die mit ihrer dilettantischen Arbeit den Ruf der Bildhauer zu ruinieren drohten.

Allein im 19. Jahrhundert wechselte das Gasthaus drei Mal den Besitzer, bevor Kristian Schmalzl es 1888 durch einen Neubau nebenan ersetzte.

Das Gasthaus zur Traube blieb zwar in Familienbesitz, wurde ab 1907 aber von Pächtern geführt.

Der Lift von Sankt Jakob

Zwei Jahrzehnte konnte man St. Jakob im Lift erreichen. Er führte von der heutigen „Stua Zirm“ in St. Ulrich hinauf auf die Wiese unterhalb des Jakoberhofs.

Eröffnet wurde der Sessellift, den Robert Höglinger (Hotel Regina) gebraucht erstanden hatte, im Juli 1948. Später wurde er in einen offenen Gondellift umgebaut und 1960 an Hansi Peristi aus Banch übergeben. Der Lift wurde 1970 abgebaut.

In St. Jakob, genauer: von Pertan bis zum Gasthaus Somont war von 1960 bis 1969 zudem ein kleiner Skilift in Betrieb.

Denkmal Lokomotive

In gerade einmal fünf Monaten wurde die Grödner Bahn 1915/16 als Nachschublinie für die Dolomitenfront errichtet. Sie führte von Klausen nach Plan und war auch nach dem Krieg eine wichtige Verbindung ins Eisacktal – auch für Holzschnitzware, die in die ganze Welt exportiert wurde.

Die Geschichte der Grödner Bahn endet mit ihrer letzten Fahrt am 29. Mai 1960. In den 44 Jahren ihres Betriebs waren sechs Dampflokomotiven im Einsatz, die letzte erhaltene wurde 1973 zum Denkmal umfunktioniert.

Leuchterengel

Am italienischen Seicento orientiert sich dieser auf eine marmorisierte Säulenbasis aufgesetzte Leuchterengel. Form und Farbgebung könnten von Keramikvorbildern stammen. Das rundliche Gesicht des Engels zieren rote Wangen, die Stirn zart aufgemalte braune Locken. Leuchterengel wurden immer mit ihrem Gegenstück hergestellt und waren Teil der seriellen Grödner Hauskunst im 18. und 19. Jahrhundert.

Turner am Reck und Steckengaukler

Steckengaukler mit Menschen- oder Tierfiguren wurden zuerst in Oberammergau hergestellt und tauchen im 19. Jh. auch im Grödner Sortiment auf. Traditionelle Steckengaukler (lad. Cramaic) wurden bis zum Ersten Weltkrieg, in modernen Formen sogar bis 1925 hergestellt. Besonders beliebt waren die Grödner Bärengaukler.

Dieses Kulturgut ist Teil der Tour "Sankt Ulrich: Ein Streifzug durch das Dorfzentrum und seine Geschichte".

Scherenschleifer und Eimerträgerin

Nur ein kleiner Teil des Grödner Holzspielzeugs war bemalt, den Großteil stellte die naturbelassene „weiße Ware“. Sie faszinierte durch einfache Mechanismen, durch die die Figuren bewegt wurden. So schwingt der Körper der Eimerträgerin, während der Scherenschleifer am laufenden Räderwerk die Füße bewegt. Auch trommelnde Affen, pickende Hühner, wippende Pferde, bewegte Harlekin und vieles mehr wurde gefertigt.

Mustertafel mit Gliederpuppen

Gliederpuppen waren von den 1840ern bis zum Ersten Weltkrieg der Hauptartikel der Grödner Spielzeugschnitzer. Die in allen Größen angebotenen Puppen waren eine familiäre Gemeinschaftsarbeit: Arme, Beine, Gesicht und Körper wurden getrennt hergestellt, durch Holzstifte oder Kugelgelenke zusammengesetzt und die Gesichter bemalt. Die Gliederpuppen wurden vor allem nach Frankreich und England verkauft.

Dieses Kulturgut ist Teil der Tour "Der Aufschwung zur Jahrhundertwende in St. Ulrich: Villen und Werkstätten".

Taufe Jesu

Die kunstvoll geschnitzte und fein gefasste Skulpturengruppe der Taufe Jesu im Jordan zeigt die künstlerische Qualität der barocken Werkstätten. Allerdings drohte den Grödner Meistern Konkurrenz von Seiten junger Schnitzer, die ohne Ausbildung und steuerfrei im Winter schnitzten. 1679 klagen die Meister im Wirtshaus zu Janesc, ihre Klage wird aber wegen der wirtschaftlichen Notlage der Nebenerwerbs-Schnitzer abgewiesen.

Reliefkomposition zu Weihnachtsmotiven

Diese Komposition aus im Flachrelief geschnitzten, bemalten und in einen Holzrahmen eingesetzten Szenen aus der Weihnachtsgeschichte wurde an der Kunstlehranstalt von St. Ulrich geschaffen. Die Arbeit entstand um 1960 unter der Leitung der Fachlehrer Luis Piazza und Mili Schmalzl. Einer der mitarbeitenden Schüler war Martin Gurschler, der später als Künstler Karriere machte.

Dieses Kulturgut ist Teil der Tour "Der Aufschwung zur Jahrhundertwende in St. Ulrich: Villen und Werkstätten".