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„Groß ist die Kraft der Erinnerung, die Orten innewohnt.“ (nach Cicero)

Kugelspiel „Kakelorum”

Zu den traditionell im Nachbartal Fassa geschnitzten Artikeln für die Grödner Verleger gehörten auch mit viel Aufwand hergestellte Kugelspiele. Das Kakelorum funktioniert wie ein Roulette, die Kugel (Murmel) wird in den Turban oder die Krone der Figur eingeworfen, deren Körper spiralförmig ausgehöhlt ist. Durch die Spiralen fällt die Kugel in die mit Nummern versehenen Vertiefungen des Tellers an der Basis.

Selbstporträt einer Schnitzerin

Katharina Kasslatter, genannt Trina da Gustin, war eine der ersten Schülerinnen der 1908 eröffneten Fachschule in Wolkenstein. Diese Kleinskulptur aus Zirbenholz zeigt sie selbst, in der Tracht an ihrem Schnitztisch sitzend. Kasslatter hatte das Schnitzen schon als Achtjährige von ihrer Mutter gelernt. Sie signierte ihre Werke, um sich von der anonymen Hausindustrie abzuheben.

Diana

Die geschnitzte, naturbelassene Skulptur zeigt die römische Jagdgöttin Diana mit einem Reh im rechten Arm und einem Blumenstrauß im linken. Vor ihr liegen Pfeil und Bogen. Die Kleinplastik ist Ausdruck der stilistischen Erneuerung an den beiden Grödner Kunstschulen, die sich in den 1920er-Jahren unter der Leitung von Guido Balsamo Stella dem Jugendstil geöffnet hatten.

Medaille Weltausstellung Paris 1925

1925 nahmen die beiden Grödner Kunstschulen an der Weltausstellung in Paris teil. Albino Pitscheider, ein Meister der Kleinschnitzkunst und von 1910 bis 1914 sowie von 1919 bis 1940 Fachlehrer in Wolkenstein, wurde dabei mit seinem Kollegen Lusi Insam mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Die achteckige Medaille zeigt auf der Vorderseite eine Allegorie des Frühlings, auf der Rückseite einen Blumenstrauß.

Bettlerin und Bettler

Eine Frau mit Rückenkorb, ein Mann mit einem Sack über der Schulter: geschnitzte Figuren von Landstreichern und Bettlern waren ab dem letzten Drittel des 18. Jh. ein Spezifikum des Grödner Kunsthandwerks. Sie treten immer paarweise auf und sind schonungslos realistisch dargestellt: ausgezehrt, oft verkrüppelt, mit zerrissenen Kleidern, Wanderstab und Hut. Ein Merkmal der Grödner Figuren ist zudem das zerrissene oder fehlende Schuhwerk.

Arma Christi Kreuz

Geißeln, Dornenkrone, Hammer, Nägel, Zange, Lanzen, Essigschwamm und Leiter, Würfel und Kleid Jesu: Nichts am Leiden Christi wurde in dieser barocken Grödner Kreuzigungsgruppe ausgespart. Der Grund ist einfach: In den Arma Christi vermutete man mächtige Waffen im Kampf gegen das Böse. Aus welchem Haus das Kreuz zur Andacht diente, ist nicht bekannt.

Wiegenpferd mit Reiter

Tändelnde Streitrösser gehörten lange zu den Lieblingsspielzeugen von Kindern im k. k. Reich, wobei die Ware anfangs zum Bemalen („Fassen“) nach Oberammergau geliefert wurde. Erst um 1800 kamen die Grödner selbst hinter das Geheimnis der Rezepturen für die Farb- und Lackzusammensetzung. Auch danach wurden nur bestimmte Musterartikel wie Puppenköpfe und Schaukelpferde bemalt – vor allem von Frauen.

Pinocchio und Fortunello

Pinocchio und Fortunello zeigen wie politische Veränderungen, der Wandel der Märkte, aber auch Mode und Technik, Geschmack und Pädagogik die Entwicklung des Grödner Holzspielzeugs beeinflusst haben. Die Firma SEVI von Vinzenz Senoner (Vastlè, Wolkenstein) hat es lange geschafft, mit den gesellschaftlichen Veränderungen des 20. Jh. Schritt zu halten und sich mit qualitätsvollen Angeboten neuen Märkten anzupassen.

Holzspielzeug der Firma SEVI: Fische, Elefanten, Enten

Bewegliche Fische, rote Elefanten, Enten zum Nachziehen: Designer aus Italien und Deutschland entwickelten im Auftrag von SEVI stetig neue Motive. Zudem machte es neue Technik möglich, die Produktpalette und Materialien auszudehnen. So deckte SEVI den gesamten Bereich der Kindergeschenke ab. Dennoch behielten die Produkte ihre Originalität und ihren kunsthandwerklichen Einschlag bei.

Kämpfende Böcke

Ziehspielzeug wie diese kämpfenden Böcke wurde im Ladinischen tica-taca genannt. In der Blütezeit vor 1914 umfasste das Grödner Sortiment bis zu 500 Artikel, darunter Puppen, Pferde, Kutschen, Wagen, Fadengaukler, Wagen, Kugelspiele, Seiltänzer, Akrobatinnen und Figuren aller Art. Musterschutz gab es keinen; Artikel konnten also von anderen Herstellerinnen und Herstellern übernommen werden.