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„Groß ist die Kraft der Erinnerung, die Orten innewohnt.“ (nach Cicero)

Kugelspiel „Kakelorum”

Zu den traditionell im Nachbartal Fassa geschnitzten Artikeln für die Grödner Verleger gehörten auch mit viel Aufwand hergestellte Kugelspiele. Das Kakelorum funktioniert wie ein Roulette, die Kugel (Murmel) wird in den Turban oder die Krone der Figur eingeworfen, deren Körper spiralförmig ausgehöhlt ist. Durch die Spiralen fällt die Kugel in die mit Nummern versehenen Vertiefungen des Tellers an der Basis.

Turner am Reck und Steckengaukler

Steckengaukler mit Menschen- oder Tierfiguren wurden zuerst in Oberammergau hergestellt und tauchen im 19. Jh. auch im Grödner Sortiment auf. Traditionelle Steckengaukler (lad. Cramaic) wurden bis zum Ersten Weltkrieg, in modernen Formen sogar bis 1925 hergestellt. Besonders beliebt waren die Grödner Bärengaukler.

Dieses Kulturgut ist Teil der Tour "Sankt Ulrich: Ein Streifzug durch das Dorfzentrum und seine Geschichte".

Scherenschleifer und Eimerträgerin

Nur ein kleiner Teil des Grödner Holzspielzeugs war bemalt, den Großteil stellte die naturbelassene „weiße Ware“. Sie faszinierte durch einfache Mechanismen, durch die die Figuren bewegt wurden. So schwingt der Körper der Eimerträgerin, während der Scherenschleifer am laufenden Räderwerk die Füße bewegt. Auch trommelnde Affen, pickende Hühner, wippende Pferde, bewegte Harlekin und vieles mehr wurde gefertigt.

Spielzeug mit Bleigewicht

Pferd und Reiter sind lose auf ein Podest aufgesetzt, ein Bleigewicht hält sie im Gleichgewicht. Sobald die Figur angestoßen wird, schwingt sie, wird aber auf der Säule gehalten. Nach demselben Prinzip funktioniert auch die Akrobatin, die sich – einmal angestoßen – im Kreis dreht. Wer diese Spielzeuge geschaffen hat, kann nicht eruiert werden, so blieben die Schnitzerinnen und Schnitzer anonym.

Dieses Kulturgut ist Teil der Tour "Sankt Ulrich: Ein Streifzug durch das Dorfzentrum und seine Geschichte".

Gliederpferd mit Gliederreiter

Das Gliederpferd mit Reiter aus dunkel gebeiztem Nussholz aus dem Betrieb von Josef Insam zu Neuhaus in St. Christina ist aus 104 Einzelteilen zusammengesetzt. Gliederfiguren (Akademiefiguren, Mannequins) wurden bis zu einer Größe von 201 cm gedrechselt. Ihre Kugelgelenke ermöglichten zahllose Körperstellungen, sie waren für Maler und Bildhauer, Schulen und Akademien gedacht.

Pickende Hühner

Die pickenden Hühner zeigen, dass die handwerkliche Herstellung den Wert und die Attraktion des Holzspielzeugs ausmacht. Mit der industriellen Fertigung billigen Spielzeugs verfielen aber im Laufe des 19. Jahrhunderts die Preise für handgefertigtes Holzspielzeug, die Grödner Hersteller verarmten. Auch deshalb stellten sie mit der Gründung der Kunstschule ab 1870 ihre Produktion allmählich auf Bildschnitzkunst und Andenkenartikel um.

Wiegenpferd mit Reiter

Tändelnde Streitrösser gehörten lange zu den Lieblingsspielzeugen von Kindern im k. k. Reich, wobei die Ware anfangs zum Bemalen („Fassen“) nach Oberammergau geliefert wurde. Erst um 1800 kamen die Grödner selbst hinter das Geheimnis der Rezepturen für die Farb- und Lackzusammensetzung. Auch danach wurden nur bestimmte Musterartikel wie Puppenköpfe und Schaukelpferde bemalt – vor allem von Frauen.

Pinocchio und Fortunello

Pinocchio und Fortunello zeigen wie politische Veränderungen, der Wandel der Märkte, aber auch Mode und Technik, Geschmack und Pädagogik die Entwicklung des Grödner Holzspielzeugs beeinflusst haben. Die Firma SEVI von Vinzenz Senoner (Vastlè, Wolkenstein) hat es lange geschafft, mit den gesellschaftlichen Veränderungen des 20. Jh. Schritt zu halten und sich mit qualitätsvollen Angeboten neuen Märkten anzupassen.

Holzspielzeug der Firma SEVI: Fische, Elefanten, Enten

Bewegliche Fische, rote Elefanten, Enten zum Nachziehen: Designer aus Italien und Deutschland entwickelten im Auftrag von SEVI stetig neue Motive. Zudem machte es neue Technik möglich, die Produktpalette und Materialien auszudehnen. So deckte SEVI den gesamten Bereich der Kindergeschenke ab. Dennoch behielten die Produkte ihre Originalität und ihren kunsthandwerklichen Einschlag bei.

Postwagen mit Kutscher und Pferdegespann

Die meisten Grödner Spielzeuge wurden als Dutzendware verkauft, daneben gab es aber aufwendiger gestaltete Einzelstücke, etwa diese Postkutsche mit Einstiegstür, Doppeldeichsel, gelber Lackierung und der Aufschrift „K. K. Post“. Nach Gröden fuhren Postkutschen ab 1856 auf der Talstraße, über Waidbruck erhielt Gröden 1867 Anschluss an die Brennerbahn, die das Wirtschaften im Tal enorm erleichterte.