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„Groß ist die Kraft der Erinnerung, die Orten innewohnt.“ (nach Cicero)

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1.600 - 1.699 n. Chr.
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Flucht nach Ägypten

Die aus Zirbenholz geschnitzte und gefasste Kleinskulptur der hl. Familie auf der Flucht nach Ägypten stammt aus dem 17. Jh., zählt zu den ältesten Werken im Museum Gherdëina und ist ein frühes Zeugnis Grödner Schnitzkunst. Geschnitzte Darstellungen der Weihnachtsgeschichte entwickelten sich im Mittelalter, in Gröden spezialisierten sich viele Familien ab dem 18. Jh. auf das Schnitzen von Krippenfiguren.

Eisensäge

Die Eisensäge mit gedrechseltem Holzgriff ist ein Zeugnis der Not so mancher Grödner Schnitzer vor dem Ersten Weltkrieg. Sie diente dem illegalen Fällen von Bäumen, um Holz für die eigene Produktion zu beschaffen. Für den Ankauf reichte der Verdienst der Schnitzer nicht aus. In den 1870ern/1880ern wurden so rund 2000 Bäume jährlich aus den Gemeindewäldern entwendet.

Fastentuch von St. Jakob

Das einzige in Südtirol erhaltene vielszenige Fastentuch verdeckte während der Fastenzeit den Altarraum. In 24 Bildfeldern wurde die Heilsgeschichte erzählt: vom Leiden Jesu bis zu Himmelfahrt und Pfingsten. Die Felder sind in vier Reihen angeordnet, die Szenen figurenreich. Das mit Tempera auf grundiertem Leinen bemalte Tuch war bis um 1950 in der St.-Jakobs-Kirche in Gebrauch, der Maler ist unbekannt.

Dieses Kulturgut ist Teil der Tour "St. Jakob und seine über 500 Jahre alten Höfe".

Gottvater im Wolkenkranz

Das plastisch geschnitzte, gefasste und vergoldete Deckenrelief wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jh. wohl in der Werkstatt der Bildhauer Vinazer für die Decke der St. Jakobskirche gefertigt. Es zeigt den Gottvater mit segnender rechter Hand und der Linken auf der Kreuzkugel vor einem blauen Sternenhimmel. Umgeben wird er von einem Wolkenkranz mit vier geflügelten Engelsköpfen.

Crist de Val

Die lebensgroße Christusfigur – wohl aus dem frühen 17. Jh. und vielleicht Teil eines Wegkreuzes – wurde nach einem Unwetter stark beschädigt auf der Silvesterscharte auf Stevia gefunden und jahrelang in einem Stadel gelagert, bevor der Bildhauer Albino Pitscheider sie entdeckte und fehlende Teile ergänzte. Ungewöhnlich sind das Lärchenholz und die überlangen Körperproportionen, der sanftmütige Gesichtsausdruck des toten Christus berührt.

Junerëi

Junerëi (von juniperus = Wacholder) ist eine Häusergruppe im Außerwinkel am Wildbach von Cudan. Belegt sind die Höfe seit dem frühen 16. Jh. Das eingeschossige Haus mit dem Namen Junerëi an der Ostfassade ist ein barocker Bestand. Ab 1662 betreibt hier die Familie Trebinger eine bedeutende Werkstatt für barocke Figuren- und Rahmenschnitzerei. Junerëi bleibt bis ins 20. Jh. ein Zentrum für Bildhauerei und Kunsthandwerk.

Costamula Dessot

Der Einhof wurde 1606/08 erbaut, ist seit 1985 denkmalgeschützt, rundum saniert und heute ein Restaurant. Das aus Rundholz-Blockwänden bestehende Futterhaus nimmt den größeren Teil der Hausfassade ein als der gemauerte Wohnbereich. Das schöne Lärchenschindeln-Dach wurde neu eingedeckt und nach ladinischer Tradition von einem Brettersaum eingefasst (sog. ladinisches Dach).

Costamula Dessëura

Einhöfe sind in Gröden selten und meist jüngeren Datums, Ober-Costamula ist spätestens um 1686/87 entstanden. Wohn- und Wirtschaftsbereich sind durch eine Mauer voneinander getrennt und haben je einen eigenen Zugang. Das Gebäude besteht aus einem Rundholzblockbau mit bergseitig angebauter Küche, einem Trockensöller (lad. piguel) und einem angebauten Backofen an der Nordfassade. Der Stadelbereich wurde im 20. Jahrhundert zu Wohnzwecken umgebaut.

Fischburg

An der Grödner Nordflanke ließ Engelhard Dietrich Freiherr (ab 1630 Graf) von Wolkenstein 1621 bis 1641 die Fischburg errichten, weil er die Kontrolle des Fernwegs über die Pässe behalten wollte, dessen Verlauf durch das Tal sich geändert hatte. 1841 wurde sie in ein Armenhaus umgewandelt, 1926/27 aber von Baron Carlo Franchetti erworben, renoviert und stilgetreu ausgestattet.