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„Groß ist die Kraft der Erinnerung, die Orten innewohnt.“ (nach Cicero)

Crist de Sëurasas

Das originale Gipfelkreuz von Sëurasas mit dem überlebensgroßen Christus stammt von den jungen Bildhauern Vinzenz Peristi und Baptist Walpoth. Es wurde 1932 aus Zirbelholz geschaffen, und zwar vor Ort am Berg. Auffallend ist die dramatische Gestaltung des ausgemergelten Körpers und des in seiner Qual erstarrten Gesichts Jesu. Peristi fiel im Zweiten Weltkrieg, Walpoth verunglückte bereits zuvor auf der Jagd. Seit 1959 vor Ort durch eine Nachbildung ersetzt.

Zwei Pfeilspitzen aus Silex

Pfeilspitzen zeugen von der Jagd im Hochgebirge, die noch in der mittleren Bronzezeit betrieben wurde. Diese beiden Pfeilspitzen vom Lech Sant, ein Almsee, auf der Aschgleralm (lad. Mastlé) weisen gemeinsam mit anderen Funden auf die Bedeutung des Ortes als hochalpine Kultstätte und Brandopferplatz hin. Im Flurnamen „Heiliger See“ und in der Legende des im See versunkenen Kirchleins lebt die Erinnerung an die vorchristlichen Höhenkulte bis heute fort.

Ritualgefäß und Tierknochenreste

Dieses kleine, gerundete Tongefäß wurde auf dem Picberg zusammen mit einer Hand voll kalzinierter Knochenreste von Tieropfern (Rind, Schaf) ausgegraben. Wahrscheinlich handelt es sich um eine rituelle Aufbewahrung (Deponierung) nach einer Opferhandlung, die am Berggipfel durchgeführt wurde. Fundsituation und Höhenlage deuten auf einen eisenzeitlichen Brandopferplatz hin.

Bruchstücke von Melauner-Henkelkrügen

Fragmente diverser Henkelkrüge aus sogenannter „Melauner Keramik“ aus der Endbronzezeit wurden am Lech Sant auf Mastlé (Aschgleralm) entdeckt. Diese Krüge sind durch Girlandenleisten und kleinere, an den Seiten herabziehende, senkrechte Zierleisten charakterisiert. Sie wurden vornehmlich für religiöse Rituale in Kultstätten oder Brandgräbern als Gefäße zum Ausgießen besonderer Flüssigkeiten verwendet.

Kiesel-Knollenkalke

Durch untermeerische vulkanische Aktivitäten wurde das Wasser mit Kieselsäure (SiO2) angereichert, wodurch sich kieselhaltige Skelettorganismen wie Radiolarien und Schwämme vermehren konnten. Ihre Überreste vermischten sich am Grund der tiefen Becken mit kalkhaltigem Schlamm und wurden durch das zirkulierende Wasser in den entstehenden Gesteinen aufgelöst. Die Kieselsäure verblieb jedoch im Gestein und bildete schließlich in den Kalkschichten Feuersteinknollen.

Konglomerat

Durch die starke Erosion der Gesteine durch Bäche und Flüsse entstehen Schotter und Gerölle, die durch die Energie des wirbelnden Wassers gerundet werden. Diese groben klastischen Ablagerungen können auch eine natürliche Zementierung erfahren, die zu einem Konglomerat führt. Die unterschiedlichen Farben der Kieselsteine weisen auf ein großes Ursprungsgebiet mit vielen verschiedenen Gesteinsarten hin.

Dieses Gestein ist Teil der Tour "Blättern in den Felsen der Secëda".

Gips

Gips als Gestein lagert sich in einem natürlichen Salzsumpf ab, d.h. in einer sehr flachen Meeresumgebung mit warmem, trockenem Klima. Durch die starke Verdunstung konzentrieren sich die Salze im Meerwasser, bis sie ausfallen, zuerst die Sulfate (Gips ist CaSO4, Calciumsulfat). Die weißen Schichten, die wir von der Seceda-Seilbahn aus sehen können, sind genau die Überreste dieser natürlichen Salzebenen.

Dieses Gestein ist Teil der Tour "Blättern in den Felsen der Secëda".

Ichtyosaurier

Das berühmteste Fossil von Gröden ist zweifellos der Ichthyosaurier, der auf Seceda gefunden wurde. Dieses große Meeresreptil, etwa 5 m lang, war das größte Raubtier seiner Zeit (vor 241-240 Millionen Jahren). Da ein großer Teil des Skeletts fehlt, ist es nicht möglich, die Überreste einer bestimmten Gattung mit Sicherheit zuzuordnen. Dennoch bleibt es ein sehr wichtiger Fund, denn er ist nahezu einzigartig im Unterladinium, einer Zeit der Krise für diese Meeresreptilien.

Ammoniten

Die Ammoniten waren Kopffüßer, Verwandte der heutigen Nautilus, Tintenfische und Kalmaren. Sie sind heute ausgestorben, gehörten aber zu den häufigsten Organismen in den Meeren der Trias. Besonders zahlreich sind ihre fossilen Überreste, die von perfekt dreidimensional bis zu völlig flachgedrückt reichen. Die schnelle morphologische Veränderung vieler Gruppen macht diese zu einem wichtigen Werkzeug für die Datierung von Gesteinen. Viele Arten lebten nur wenige tausend Jahre.

Claraia

Diese zweischalige Muschel gehört zusammen mit anderen Arten der Gattung Claraia zu den Organismen, die sich nach der großen biologischen Krise vor 252 Millionen Jahren am besten an die kritischen Umweltbedingungen der küstennahen Meeresgewässer angepasst haben. Wie extrem die Umweltbedingungen waren, zeigt die Tatsache, dass keine anderen Organismen gefunden wurden, die mit Claraia in Verbindung gebracht werden können: Claraia war offensichtlich die Einzige, die unter diesen Bedingungen überleben konnte.