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„Groß ist die Kraft der Erinnerung, die Orten innewohnt.“ (nach Cicero)

Adam und Eva mit Apfelbaum

Theresia Gruber, genannt Tresl da Ulëta, vermachte dem Museum Gherdëina eine Sammlung von Terrakottafiguren und Keramiken. Die Tochter zweier Künstler, selbst Kunsterzieherin, befasste sich zeitlebens mit verschiedenen Materialien und setzte sich schon in den 1930ern für die ladinische Sprache ein. 1970 richtete sie – bereits 73-jährig – im brasilianischen Belém eine Schule für Töpferei ein.

Figurenmodelle der Firma ANRI

1920 brachte ANRI Statuetten von zwölf Charakteren von Charles Dickens auf den Markt, die für eine neue Käuferschicht gedacht waren und mitunter in die USA exportiert wurden. Die drei Figuren in der Sammlung des Museum Gherdëina zeigen den Stiefelputzer Sam Weller und die Spießer Mr. Pickwick und Mr. Pecksniff. Es könnte sich um ältere Schnitzmodelle für die serielle Nachbildung handeln.

Krampusfigur “Pitl malan”

Die aus Birnenholz fein geschnitzte Gestalt eines verschmitzt lächelnden Krampus’ trägt einen Korb, in dem Zigaretten aufbewahrt wurden. Sie stammt vom Bildhauer Franz Insam de Cësanueva aus St. Christina, der eine Reihe in den 1870ern in der ganzen k.u.k. Monarchie beliebten Objekten geschaffen hat – nicht nur solche für den Tabakkonsum, sondern auch Nussbeißer.

Gliederpferd mit Gliederreiter

Das Gliederpferd mit Reiter aus dunkel gebeiztem Nussholz aus dem Betrieb von Josef Insam zu Neuhaus in St. Christina ist aus 104 Einzelteilen zusammengesetzt. Gliederfiguren (Akademiefiguren, Mannequins) wurden bis zu einer Größe von 201 cm gedrechselt. Ihre Kugelgelenke ermöglichten zahllose Körperstellungen, sie waren für Maler und Bildhauer, Schulen und Akademien gedacht.

Pickende Hühner

Die pickenden Hühner zeigen, dass die handwerkliche Herstellung den Wert und die Attraktion des Holzspielzeugs ausmacht. Mit der industriellen Fertigung billigen Spielzeugs verfielen aber im Laufe des 19. Jahrhunderts die Preise für handgefertigtes Holzspielzeug, die Grödner Hersteller verarmten. Auch deshalb stellten sie mit der Gründung der Kunstschule ab 1870 ihre Produktion allmählich auf Bildschnitzkunst und Andenkenartikel um.

Crist de Sëurasas

Das originale Gipfelkreuz von Sëurasas mit dem überlebensgroßen Christus stammt von den jungen Bildhauern Vinzenz Peristi und Baptist Walpoth. Es wurde 1932 aus Zirbelholz geschaffen, und zwar vor Ort am Berg. Auffallend ist die dramatische Gestaltung des ausgemergelten Körpers und des in seiner Qual erstarrten Gesichts Jesu. Peristi fiel im Zweiten Weltkrieg, Walpoth verunglückte bereits zuvor auf der Jagd. Seit 1959 vor Ort durch eine Nachbildung ersetzt.

Analcim auf Kalzit

Der perfekt ausgebildete Einzelkristall eines Analcims aus dem Jenderbach unterhalb des Zemmerlochs ist ein seltener Fund. Hier wurden vor 1900 auch Datholithkristalle gefunden, die Fundstelle ist aber wegen des Sammleransturms erschöpft. Das Gebiet auf der Seiser Alm zwischen Jender- und Tschapitbach im Westen birgt berühmte Mineralienfundstellen aus den vulkanischen Gesteinen de Trias (Ladinum).

Heilige Philomena

Die Gipsskulptur der hl. Philomena mit Märtyrerpalme, Peitsche, Anker und Pfeilen stammt vom Bildhauer Dominik Mahlknecht. 1793 am Hof Rainel in Überwasser geboren, wandert er als 16-Jähriger nach Paris aus, wo er es bis zum königlichen Hofbildhauer bringt. Das Original der Skulptur steht in der Pariser Kirche Saint-Germain l’Auxerrois, eine zweite Kopie am Brunnenplatz in St. Christina, angefertigt nach dem originalen Gipsmodell im Museum Gherdëina.

Cësanueva

Der zum Teil ins Gelände gebaute Paarhof hat einen ursprünglichen Bestand aus dem 15. Jahrhundert. Das aktuelle Wohngebäude wurde wohl Anfang des 20. Jahrhundert umgebaut. Am Hof wurden über Generationen im Familienbetrieb des Joseph Insam Gliederpuppen und -pferde und bewegliche Krippenfiguren aus Holz besonderer Art gefertigt und in ganz Europa vertrieben. In Kriegszeiten wurde die Produktion auf orthopädische Gliederprothesen von Händen und Füßen ausgeweitet.

Villa ANRI

Der Neubau der heute denkmalgeschützten Villa ANRI 1925 in St. Christina wurde als Sitz der gleichnamigen, von Anton Riffeser 1921 gegründeten Firma genutzt. Daher wurden hier Werkstätten, Büros, Lager-, Verpackungs- und Ausstellungsräume eingerichtet. ANRI-Produkte verkauften sich bis in die USA, in ihren besten Jahren beschäftigte die Firma bis zu 230 Mitarbeiter. Die Produktion wurde 1952 in eine Halle auf Plan da Tieja ausgelagert und 2021 eingestellt.