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„Groß ist die Kraft der Erinnerung, die Orten innewohnt.“ (nach Cicero)

Absolute Schrift

Mit Formen und Farben experimentieren, um Spannung und Ordnung in einem Kunstwerk zu vereinen: Den Weg, den Mili Schmalzl im Acrylbild „Absolute Schrift“ geht, zeigt sie an der Kunstschule von St. Ulrich auch jungen Künstlern auf. Schmalzl, Jahrgang 1912, schaffte als Frau aus dem Tal der Schnitzer den Sprung an die Akademien Italiens und Deutschlands und wurde dort zur Malerin ausgebildet.

Sellagruppe im Abendglühen

Die Temperamalerei vom Sellastock (lad. Sas dla Luesa, Mëisules) im Abendrot stammt von Peter Demetz da Fëur (1913-1977). Er unterrichtete nach dem Zweiten Weltkrieg Malerei an den Kunstschulen in Wolkenstein und St. Ulrich. Dem leidenschaftlichen Wanderer diente oft die vom Menschen noch unberührte Landschaft der Dolomiten als Motiv.

Ansicht von St. Ulrich im Jahr 1860

1925 blickt der Kunstmaler Josef Moroder Lusenberg mit diesem Ölgemälde von seinem Haus auf das St. Ulrich der 1860er-Jahre und damit auf das Dorf seiner Kindheit. Der retrospektive Rückblick hat wohl mit der tiefgreifenden Entwicklung zu tun, die das Tal im Zuge des Aufschwungs von Kunstgewerbe und Fremdenverkehr bis zum Ersten Weltkrieg mit einem Bedeutungsverlust der Landwirtschaft erlebt hat.

Dieses Kulturgut ist Teil der Tour "Der Aufschwung zur Jahrhundertwende in St. Ulrich: Villen und Werkstätten".

Der Leiermann

Das Ölgemälde, das Josef Moroder Lusenberg 1912 schuf, zeigt einen Leiermann, der vor einem Grödner Bauernhof eine barfüßige Kinderschar unterhält. Die Kinder scheinen vom Äffchen fasziniert, das auf dem Leierkasten sitzt, während zwei Mädchen mit ihrer Mutter die Szene stickend von der Seite aus verfolgen – wohl eine aufmerksame Beobachtung der gesellschaftlichen Diversifizierung im St. Ulrich der Jahrhundertwende.

Dieses Kulturgut ist Teil der Tour "Der Aufschwung zur Jahrhundertwende in St. Ulrich: Villen und Werkstätten".

Aquarell mit Pfingstrosen

Dieses Aquarell mit Pfingstrosen hat Jakob Sotriffer während seiner Studienzeit an der Wiener Akademie 1822-24 geschaffen, an der er dank eines staatlichen Stipendiums zum Zeichenlehrer und Bildhauer ausgebildet wurde. Sotriffer stammt vom Hof Plajes in St. Ulrich und wurde im Jänner 1825 als erster Lehrer der neuen Zeichenschule eingesetzt.

Fastentuch von St. Jakob

Das einzige in Südtirol erhaltene vielszenige Fastentuch verdeckte während der Fastenzeit den Altarraum. In 24 Bildfeldern wurde die Heilsgeschichte erzählt: vom Leiden Jesu bis zu Himmelfahrt und Pfingsten. Die Felder sind in vier Reihen angeordnet, die Szenen figurenreich. Das mit Tempera auf grundiertem Leinen bemalte Tuch war bis um 1950 in der St.-Jakobs-Kirche in Gebrauch, der Maler ist unbekannt.

Dieses Kulturgut ist Teil der Tour "St. Jakob und seine über 500 Jahre alten Höfe".

Rötelzeichnungen von Bierjun

Die Schlafkammer wurde 1456 an den mittlerweile abgebrochenen Hof Bierjun in Überwasser angebaut und gab erst unter UV-Licht ihr Geheimnis preis: mit Rötelstift gefertigte Zeichnungen mit Szenen von der Passion Christi über den Glockenaufzug auf den Kirchturm von Pufels und einer Bärenjagd. Die Rötelzeichnungen sind ein seltenes Zeugnis religiöser Frömmigkeit im privaten bäuerlichen Bereich vor 1500. Ein Hofeigentümer war im 17. Jh. Propst der St. Leonhardskirche in Pufels.